Das Schuhband - mit den...

THINK Schuh-Senkel

Das Schuhband - mit den roten Enden

eine wahre Geschichte aus Österreich

Umgeben von Weiden, ragte die Burg der Königsfamilie hervor - auf den ersten Blick ein herrschaftliches Schloss, entpuppte sich das Anwesen auf den zweiten Blick als ein großes Gehöft. Dutzende Stallungen umrahmten das alte Gutshaus, auf den Koppeln grasten schwarze Pferde. Die Familie zu Rappenforst war damals für die Zucht der schönsten und edelsten Rappen der Welt berühmt. Ihr Fell war glänzend und pechschwarz, die langen Schweifhaare waren seidig weich und dabei auch noch stark wie Schiffstau. Von Hand löste die Königsfamilie nun immer die dicksten Haare aus dem Schweif jedes Pferdes, um sie zu edlen Rappenhaarprodukten zu verarbeiten und diese in die ganze Welt zu verkaufen.

So ließen sich Tiroler Bergsteiger Kletterseile aus Rappenhaar knüpfen, um sich auf den Gipfeln der Dolomiten noch sicherer zu fühlen, und der spanische Kronprinz, guter Freund der Familie Rappenforst, ließ sich die Manschettenknöpfe seines Hochzeitsanzugs mit Rappenhaar knoten. Auch eine kleine Schuhmanufaktur, unweit des Rappenforsts gelegen, schwor für ihre Schuhbänder seit jeher auf das schwarze Schweifhaar. Stabil und dezent zierte es jedes Schuhwerk, vom feinen Bankettschuh bist zum robusten Wanderstiefel.

Eines Tages nahm der Schusterlehrling eine neue Lieferung Rappenhaarschuhbänder entgegen und trug sie in die Werkstatt. Als er die erste Truhe öffnete, stutzte er. Die Enden eines jeden Schuhbandes waren tiefrot. Er prüfte die Schuhbänder in allen weiteren Truhen, und überall bot sich ihm dasselbe Bild: schwarze Bänder, rote Enden. Sorgfältig, wie der Schusterlehrling arbeitete, wollte er der Sache auf den Grund gehen - er schnappte sich sein Fahrrad und fuhr durch den herbstlichen Wald zum Gehöft der Königsfamilie. Er traf den König am Goldfischteich und fragte ihn nach den neuen Schuhbändern. Da schmunzelte der König und rief: "Ich bin seit einem Monat in meinem wohlverdienten Ruhestand. Meine jüngste Tochter hat die Geschäfte übernommen ... Sie finden Sie im Atelier unter den Walnussbäumen."

Der Schusterlehrling folgte der Beschreibung des Königs und klopfte an die schwere Tür des Ateliers. Eine glockenhelle Stimme bat ihn herein, und der Schusterlehrling erblickte eine junge, wunderhübsche Frau. Sogleich errötet, fragte der Lehrling stammelnd nach den mysteriösen Bändern. Die Prinzessin lachte und winkte ihn zu ihrem Arbeitstisch, auf dem sich bereits ein neuer Stapel Bänder türmte. Wieder hatten alle ein rotes Ende! Die Prinzessin erzählte: "Ich habe eine ganz besondere Methode entwickelt, die Schuhbänder noch stärker zu machen. Den letzten Knoten eines jeden Bandes ziehe ich mit meinen Zähnen fest. So färbt mein Lippenstift unweigerlich die Enden rot." Der Schusterlehrling, ganz eingenommen von der jungen Prinzessin, bedankte sich schüchtern und fuhr zurück in die Schuhmanufaktur. Dort erzählte er vor der versammelten Mannschaft der Schuhwerkstatt von den neuen Bändern und ihrer wundersamen Geschichte. Da der Schuster selbst immer schon eine Schwäche für das Märchenhafte hatte, wollte er fortan nicht mehr auf die Bänder mit den roten Enden verzichten.

Heute, da die Burg nur noch als verwachsene Ruine im Wald verwittert und die Pferde längst nicht mehr die Weiden bewohnen, werden die Schuhbänder aus 100 Prozent natürlicher Baumwolle gefertigt. Und trotzdem wird als Erinnerung an diese alte Geschichte noch heute ein jedes Ende eines THINK!-Schuhbands rot gefärbt - als wäre es von der Prinzessin geküsst.

Filtern nach
Artikel filtern